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Kontaktinfo,
Veröffentlichungen,
Forschungsgruppe,
Praktika u. Doktorarbeitsthemen
Seit September 2001 bin ich "Maître de Conférences" für Physik an der Denis-Diderot-Universität (Paris VII), was bedeutet dass ich zu gleichen Teilen lehre und forsche. Bis Dezember 2006 fanden die Kurse auf dem Campus Jussieu statt, und meine Forschungsgruppe war Teil des Instituts für Physik und Mechanik Heterogener Materie (PMMH) der ESPCI. Seit Januar 2007 sind wir auf dem neuen Campus von Tolbiac, im Institut für Komplexe Materie und Systeme (MSC), einem der drei großen neu gegründeten Physik-Institute.
Luc Lebon, Laurent Limat, Bruno Andreotti, Marc Fermigier, David Quéré, und ich haben zusammen im September 2007 das European Coating Symposium 2007 organisiert.
Bis September 2007 war ich Koordinator für Austauschprogramme in der Fakultät für Physik von Paris 7 (Erasmus, USA, Kanada, ...). Meine (alte) Informationsseite ist hier zu finden. Seitdem hat meine Kollegin Simona MEI die Aufgabe übernommen.
Mit: Laurent Limat, Nolwenn Le Grand, Emmanuelle Rio, Jacco Snoeijer, Bruno Andreotti, Luc Lebon, ...
Meine aktuellen Forschungsthemen sind auf den Seiten unserer Gruppe genauer beschrieben.
Mit: Mehdi Banaha, Daria Julkowska, Simone Seror, Barry Holland, ...
Die meisten Bakterien sind erstaunlichen kollektiven Verhaltens fähig. Die Massenausbreitung (mass swarming auf Englisch) ist vermutlich ein erster Schritt in der Bildung von Biofilmen, welche Bakterien extrem resistent macht gegen Antibiotika, das Immunsystem (im Körper), oder Reinigungsmittel (in Kanalisationen, auf medizinischem Gerät). Das Verständnis der beteiligten Mechanismen ist noch sehr unvollständig. Ein Schlüssel zur Antwort wurde jedoch vielleicht kürzlich von einer Forschungsgruppe um Daria Julkowska, Simone Seror et Barry Holland am Institut für Molekulargenetik (IGM) in Orsay gefunden: Mutanten, die nicht mehr in der Lage waren eine Substanz namens Surfactine zu synthetisieren, breiteten sich nur noch dann aus, wenn ihnen von außen Surfactine zugesetzt wurde.
Surfactine hat insbesondere die Eigenschaft, die Oberfächenspannung von Wasser sehr stark (um über 70%) herabzusetzen. Könnte diese Eigenschaft bei der Massenmigration eine wesentliche Rolle spielen ?
Wir versuche dieser Frage im Zusammenspiel mit den Biologen aus Orsay, Chemikern und theoretischen wie numerischen Physikern auf den Grund zu gehen. Mehdi Banaha und ich versuchen insbesondere zu verstehen, wie sich die Herabsetzung der Oberflächenspannung auf die Dynamik auswirkt. Klar ist, das die Bakterien weniger stark auf die Gel-Oberflächen gepresst werden, und auswärts gezogen werden (so wie Staubpartikel auf einer Wasseroberfläche von einem zugegebenen Spülmitteltropfen weggezogen werden). Können diese Kräfte die Dynamik der Ausbreitung erklären, vielleicht sogar die Form der entstehenden Strukturen ?
Siehe auch meine Veröffentlichungen
mit Éric Clément, Florent Maloggi, Peter Lee, José Lanuza, ...
Ohne die Erosion durch Wasser wäre die Oberfläche unseres Planeten nicht wiederzuerkennen: Berge, Meeresküsten, Schluchten, Flüsse werden durch Erosion geformt, und selbst im kleinen Maßstab sind von Wasser gegrabene Furchen am Strand oder auf unbewachsenen Hängen leicht zu beobachten. Gleichwohl gibt es noch große Lücken in unserem Verständnis von Erosion und Sedimenttransport.
In unserem Experiment wird eine unter Wasser gebildete Sedimentschicht gleichmäßig aus dem Wasser gezogen. Aus der Sicht des Sediments sinkt also das Wasserniveau.
Der Vorteil eines Laborexperiments ist die völlige Kontrolle der beteiligten Parameter: Sinkgeschwindigkeit des Wassersniveaus, Böschungswinkel, Dicke der Sedimentschicht, Größe der Körner, aus denen das Sediment besteht, ... Wir konnten also die beteiligten Kräfte berechnen und zeigen, dass das Verhältnis von Scherkraft und Gewicht bestimmt, ob Erosionsstrukturen entstehen oder nicht. Dieser Parameter ist Geologen als Shields-Zahl wohlvertraut im Studium der Dynamik von Flussbetten. Zudem konnten wir auch bestimmen, welche einer Vielzahl von Strukturen durch welche Werte für die Parameter Sinkgeschwindigkeit und Böschungwinkel erzeugt werden.
Mehr Details in einem Artikel zu dem Experiment.
Thema meiner Docktorarbeit war die Dynamik von Lawinen (hier herunterzuladen). Sie besteht im wesentlichen aus Experimenten, die ich am Institut für Statistische Physik der ENS unter Anleitung von Stéphane Douady durchgeführt habe.
Granulare Materie kann man neigen, ohne dass sie sofort zu fließen anfängt. Erst oberhalb eines kritischen Winkels setzen sich die Körner spontan in Bewegung. Die Dynamik der entstehenden Lawine hängt unter anderem davon ab, ob und wie Körner von der statischen Phase in die fließende übergehen und umgekehrt. Eine zentrale Frage dabei ist: welcher Anteil der in Bewegungsenergie umgewandelten potentiellen Energie dient dazu, die bewegte Masse zu erhöhen, und welcher Anteil dazu, die Lawine schneller fließen zu lassen (beides erhöht den Impuls der Lawine) ? Die Antwort ist nicht nur für das Verständnis der Dynamik von Lawinen von Bedeutung, sondern auch für Transport und Verarbeitung von Granulat in der Industrie, und natürlich auch für das grundlegende physikalische Verständnis von granularer Materie. In meiner Doktorarbeit habe ich den Fest-Flüssig-Übergang in zwei Experimenten untersucht.
Im ersten Experiment wird eine Lage Granulat auf einer geneigten Ebene erzeugt und in einen metastabilen Zustand gekippt: eine Störung in der ansonsten statisch bleibenden Schicht erzeugt eine Lawine, die weiter anwächst. Ich habe die kleinste zur Erzeugung einer Lawine notwendige Störung gemessen und gezeigt, das es sich um einen unterkritischen Übergang handelt.
Stéphane Douady und ich haben zwei Typen von Lawinen identifiziert. Der erste breitet sich hangabwärts und seitwärts aus und hinterlässt eine dreieckige Spur. Der zweite breitet sich durch eine Destabilisierungsfront auch hangaufwärts aus und setzt so die gesamte Schicht in Bewegung. Wir haben die Ausbreitungsmechanismen in beiden Fällen untersucht und zum Beispiel zeigen können, dass Amplitude und Geschwindigkeit eine obere Grenze haben, die mit der endlichen Dicke der Schicht zusammenhängt.
Im zweiten Experiment habe ich untersucht, wie ein Zylinder aus Sand zu einem Kegel zusammenbricht. Dabei habe ich beobachtet, dass die Dynamik empfindlich von der Vorbereitung des Experiments abhängt. Ein um 10% dichterer Anfangszustand braucht fast doppelt so lange, um einen Kegel zu formen. Ebenso ist eine Asymetrie bei der Vorbereitung in der Dynamik klar sichtbar.
Der letzte Teil diskutiert die Gültigkeit gängiger Lawinenmodelle in Anbetracht der Ergebnisse. Ausgehend von Erhaltungsgleichungen wird schließlich ein neues Modell entwickelt, in welchem die experimentellen Beobachtungen genutzt werden, um unbekannte Gleichungsterme zu eichen.
Ich habe den Energieverbrauch turbulenter Strömung mit Yves Couder und Olivier Cadot zwar nur sechs Monate lang untersucht, aber das Ergebnis war so überraschend dass ich mich noch daran erinnern kann ;-).
In vielen geschlossenen Systemen verliert sich die Bewegungsenergie turbulenter Strömung lange nicht so schnell, wie es die gängige Theorie homogener und isotroper Turbulenz vorhersagt. Es zeigt sich, dass bei solchen Systemen der Grund in der fehlenden Homogenität zu suchen ist: die Flüssigkeit wird von den angetriebenen Rührern durch Grenzschichten in Bewegung gesetzt. Ein Teil der Energie wird bereits in diesen Genzschichten in Wärme umgewandelt. Systeme, in denen der Verbrauch nicht der erwarteten Gesetzmäßigkeit folgt, sind solche in denen die Rührer sich tangential bewegen. In diesem Fall nimmt die Dicke der Grenzschicht mit wachsender Geschwindigkeit ab. Wie unsere Experimente überraschenderweise gezeigt haben, verbraucht die Strömung weit entfernt von den festen Grenzflächen die Energie dennoch wie erwartet: die Effizienz der Rührer nimmt also nicht ab. Der Grund für den global zu schwach steigenden Energieverbrauch liegt in der Änderung des relativen Anteils des Verbrauchs in den Grenzschichten und in der Kernströmung.
Der Nachweis ist relativ einfach: macht man die Rührer rauh (rauher als die erwartete Dicke von Prandtl's Grenzschicht), so bleibt die Injektionsskala konstant ("Injektionsrühren" statt "Grenzschichtrühren") und der Gesamtverbrauch folgt Kolmogorov's Gesetz. Siehe auch den Artikel zum Thema.
Physik und Forschung:
Allgemeine Internetresourcen